Blutdrucksenker können Nierenschäden verursachen

Als Reaktion auf die zurecht umstrittene "SPRINT-Studie" aus dem Jahre 2017 wurde der Grenzwert für medikamentös behandelbaren Blutdruck auf >130/80 abgesenkt. Laut US-Leitlinien ist damit jetzt so gut wieder jeder Mensch Hypertoniker und benötigt Blutdrucksenkende Mittel.

 

Verschreibungen von BLutdrucksenkern nehmen auch in Deutschland zu - ein Schelm wer Böses dabei denkt. Zwar wird etwa jeder zweite Todesfall durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht, bei denen BLuthochdruck eine wesentliche Rolle spielt, jedoch bleibt umstritten, wo die sinnvolle Grenze zur medikamentösen Behandlung liegt.

 

Professor Dr. Peter Trenkwalder von der Deutschen Hochdruckliga  merkt an, dass quasi über Nacht rund 20 Millionen Amerikaner, die nichts von ihrem Glück ahnten, zu behandlungsbedürftigen Patienten wurden. Trenkwalder ergänzt: „Die europäische Leitlinienkommission hingegen sah für eine solche Empfehlung keine ausreichende Evidenz.“ Damit sei die Mehrzahl aller Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von 140/90 mmHg medikamentös zu behandeln.

 

Aber auch in den USA regt sich Widerstand gegen die neuen Leitlinien. Daten der "ACCORD-Studie" zeigten nun, das durch medikamentöse Blutdrucksenkung die Ausbildung chronischer Nierenerkrankungen gefördert werden kann. Ärgerlich, denn der Nierenschutz galt bislang als ein starkes Argument für antihypertensive Therapien.

 

Haben Ärzte Hypertonien erst einmal diagnostiziert, weichen sie kaum von der Diagnose ab. Deprescribing, also eine Strategie, die überprüft, ob Medikationen wirklich noch erforderlich sind, sucht man in vielen Praxen leider vergebens.

 

Gerade älteren Menschen schadet man mit unüberlegten Blutdrucksenkungen. Es wurde mittlerweile nachgewiesen, dass eine Senkung des Blutdrucks mit einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung steht. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass körperliche Gebrechlichkeit und kognitiver Abbau schneller voranschreiten.

 

Also: Erst denken, dann senken. Oder eben nicht.

 

Quelle: DocCheck

 

www.schmerztherapie-neuss.de