Kalziumpräparate fördern Darmpolypenwachstum

Besonders für Frauen und Raucher könnten die entsprechenden Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel das Darmkrebsrisiko erhöhen.

 

Eine groß angelegte amerikanische Studie hat ergeben, dass eine mehrjährige Einnahme von Kalziumpräparaten das Risiko von Darmpolypen erhöht, die als Krebsvorstufen gelten. Dasselbe traf auf die gleichzeitige Einnahme von Kalzium und Vitamin D zu. Ein Zusammenhang mit der Menge an Kalzium, die über die normale Nahrung aufgenommen wird, zeigte sich dagegen nicht, schreiben die Forscher im Fachblatt „Gut“. Sie empfehlen Frauen und Rauchern, zumindest dann auf die Einnahme von Kalzium durch Nahrungsergänzungsmittel zu verzichten, wenn bei einer Darmspiegelung bereits Polypen nachgewiesen wurden.

 

Die möglichen Risiken müssten gegen den Nutzen der Behandlung mit Kalzium und Vitamin D abgewogen werden. Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Kalzium und Vitamin D enthalten, werden häufig genutzt, um einer Osteoporose vorzubeugen. Daher seien die Ergebnisse dieser Studie von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit. Sie müssten aber zunächst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, betonen die Autoren.

 

Aufgrund anderer Untersuchungen gingen die Forscher eigentlich davon aus, dass die beiden Wirkstoffe das Wachstum von Polypen unterdrücken würden. Doch überraschenderweise erwies sich das Gegenteil als richtig. Zwar unterschieden sich nach Ablauf der Behandlungsphase die vier Teilnehmergruppen zunächst nicht in der Häufigkeit nachgewiesener Polypen. Drei bis fünf Jahre danach jedoch – also sechs bis zehn Jahre nach Beginn der Studie – hatte sich im Vergleich zur Placebogruppe für die Kalziumgruppe das Risiko des Wachstums von Polypen 2,6-fach und für die Kalzium-Vitamin D-Gruppe 3,8-fach erhöht. Die Einnahme von Vitamin D allein hatte keine negativen oder positiven Auswirkungen. Eine getrennte Auswertung der Daten für Frauen oder Raucher ergab einen noch größeren nachteiligen Effekt für Kalzium. Auf welche Weise Kalzium die Entwicklung von Darmpolypen begünstigen und das Darmkrebsrisiko erhöhen könnte, ist noch nicht bekannt.

 

Quelle: wissenschaft-aktuell