Säureblocker - Zu Unrecht in Verruf geraten?

Säureblocker stehen schon länger in der Kritik, da zahlreiche Studien mögliche Langzeitrisiken aufgedeckt haben wollen.

Sollte man deshalb lieber auf PPI verzichten, auch wenn eine eindeutige Indikation zur Einnahme vorliegt?

 

Nein, denn man muss wissen, dass es sich bei den Studien überwiegend um retrospektive Auswertungen handelt, die zwar eine Assoziation mit den darin beschriebenen Krankheiten zeigen, aber keinen Zusammenhang belegen.

 

Es ist also nicht nachzuweisen, dass die Langzeiteinnahme von PPI zu den in den Studien festgestellten Krankheiten führt. Es wurde lediglich festgestellt, dass Studienteilnehmer mit den festgestellten Krankheiten auch lange Zeit PPI einnahmen. Dagegen sprechen alle prospektiv erhobenen Daten sowie die Anzahl der Verordnungen ohne Nebenwirkungen gegen ein Risiko einer langfristigen PPI-Einnahme.

 

Ein Problem stellt jedoch die Verordnung von Säureblockern ohne entsprechende Indikation dar. Häufig wird das Medikament auch bei Reizdarmbeschwerden eingesetzt, für das es keinen Nutzen bringt. Durch die Rezeptfreiheit steigt zudem vermutlich der indikationsferne Einsatz.

 

Viele Naturheilkundler verteufeln den Einsatz von Säureblockern mit Verweis auf die oben genannten Studien. Sie muten ihren Patienten, z.B. bei einer Hiatushernie, wochenlange Sodbrennattacken zu, die sie mit Hausmittelchen oder Homöopathie in den Griff zu bekommen versuchen. Dabei steigt das Risiko einer ernsthaften Speiseröhrenerkrankung deutlich. Zu bedenken ist, dass es in der Speiseröhre nach einer gewissen Zeit zu einer Zellwandveränderung kommt, die diese unempfindlicher gegen die Magensäure macht. Das Sodbrennen wird somit nicht beseitigt, der Patient merkt es nur nicht mehr. Diese Zellveränderung stellt jedoch eine Präkanzerose (Krebsvorstufe) dar, die zu Speiseröhrenkrebs führen kann.

 

Man tut sicher gut daran, das Nutzen-Risiko-Verhältnis zu hinterfragen, das aktuell zu Gunsten der Säureblocker ausfällt - sofern eine eindeutige Indikation vorliegt.

 

Aus meiner Praxis und eigenen Erfahrungen kann ich den risikoarmen Langzeitgebrauch von Säureblockern durchaus bestätigen. Allerdings sollte eine Indikation für einen Langzeitgebrauch vorliegen, z.B. Reflux durch einen Zwerchfellbruch. Hier sind PPI für die Betroffenen ein Segen.

 

ABER VORSICHT!

 

Liegt keine Indikation vor, sollten Säureblocker auch nicht genommen werden, jedenfalls nicht länger als 7 Tage. Denn werden PPI abgesetzt, kommt es nach längerer Einnahme zum sogenannten Rebound-Effekt. Die Protonenpumpen produzieren dann eine Zeit lang deutlich mehr Magensäure, vermutlich um die vorherige Hemmung zu kompensieren, was zu tagelangem Sodbrennen führen kann. Wenn man dagegen dann wieder PPI einnimmt, entsteht ein Teufelskreis.

 

Quelle: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/